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20. janvier 2015

Exklusiv: die 50 wichtigsten Werke Frankreichs

Die von L’Usine Nouvelle erstellte Rangliste der 50 wichtigsten Industriestandorte unterstreicht die gute Verfassung der Luftfahrtindustrie.

Überall in Frankreich errichten die großen Auftraggeber wahre industrielle Ökosysteme in den Gebieten, wo sie niedergelassen sind.


Ein unaufhaltsamer Höhenflug! Mit einer Menge an auszuliefernden Bestellungen, die acht Jahren entspricht, konzentriert sich Airbus weiterhin auf die Zunahme der Leistungsfähigkeit seiner Werke. Der europäische Flugzeugbarer hört nicht auf, seine Auslieferungszahlen nach oben zu schrauben und neues Personal einzustellen. Bis zu 13.217 Beschäftigte in seinen Montagehallen im Ballungsgebiet von Toulouse… Dies macht ihn zum größten industriellen Arbeitgeber Frankreichs, noch weit vor PSA Peugeot Citroën in Montbéliard (Département Doubs), der lange Zeit die Nummer eins war. Michelin, in Clermont-Ferrand (Puy-de-Dôme) ansässig, komplettiert das Podium. Das von „L’Usine Nouvelle" aufgestellte Ranking der 50 wichtigsten Industriestandorte unterstreicht die gute Verfassung der Luftfahrtindustrie.


Unsere Frankreich-Tour offenbart die Leistungen der großen Industrieunternehmen der Branche. Wie man gesehen hat, schwebt Midi-Pyrénées mit Airbus ganz oben. In der Region Île-de-France, Wiege der französischen Luftfahrt-Industrie, ist es der Triebwerkhersteller Safran, der aus der Fusion von Snecma und  Sagem entstanden ist, und das Wachstum ankurbelt. Und in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur tritt Eurocopter, Mitbegründer des Pégase-Kompetenzzentrums, mehr als je zuvor als Marktführer auf, während in Aquitanien Dassault seine Unterauftragnehmer versorgt. Diese großen Auftraggeber haben wahre industrielle Ökosysteme in den Gebieten aufgebaut, wo sie ihre Niederlassungen haben. Als oftmals größte Arbeitgeber verfügen sie über zahlreichen Zulieferer, mit denen sie Partnerschaften aufbauen.


Bemerkenswerte Ökosysteme


In jeder Region hat L’Usine Nouvelle eines oder zwei dieser bemerkenswerten Ökosysteme ausgemacht. Ziel soll nicht sein die Realität rosa zu malen und zu verleugnen, dass Frankreich eines der deindustrialisiertesten Länder Europas ist, jedoch die Industrie auf eine andere Weise zu zeigen. In der Auvergne ist Michelin noch immer ebenso ein Schwergewicht in der regionalen Wirtschaft, gleichwohl seine Belegschaft in dreißig Jahren um die Hälfte abgenommen hat. Der weltweit führende Reifenhersteller hat dafür gesorgt, eine Struktur aufzubauen, welche die von den Produktionsrückgängen seiner Werke betroffenen Unternehmen unterstützt. Heute ist es Constellium, der dazu beiträgt, das Département Puy-de-Dôme zu beflügeln, indem es seine Aluminiumgießerei ausbaut, welche die großen Flugzeughersteller versorgt.

Legrand, in Limoges (Dép. Haute-Vienne), gehört zu diesen Konzernen, ebenso wie Michelin, Pierre Fabre im Dép. Tarn, oder auch Manitou im Dép. Loire-Atlantique, und Bénéteau im Dép. Vendée. Sie alle sind darauf bedacht, in den Städten verankert zu bleiben, aus denen sie einst erwachsen sind. Das ist auch der Fall bei Petit Bateau im Dép Aube, aber auch bei Vallourec im Dép. Nord. Die Werke dieser beiden französischen Automobilhersteller, die tendenziell ihre Geschäftstätigkeit zu reduzieren, wie die bevorstehende Schließung des Werks von PSA Peugeot Citroën in Aulnay-sous-Bois (Seine-Saint-Denis) belegt, bleiben in mehreren Regionen die Motoren der Wirtschaft.

 

Was Renault Trucks in Saint-Priest (Dép. Rhône) betrifft, welche soeben ihre LKW-Sparte erneuert haben, so sind sie erfolgreicher damit, als nur ihre Stellung zu behaupten! „Die Industrie hat Finanzierungsbedarf", meint Michel Barnier, EU-Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen. Als Nachfolgekandidat für José Manuel Barroso sorgt er dafür, dass von europäischer Industriepolitik zu sprechen kein „Schimpfwort“ in Brüssel mehr ist. Man wartet nur darauf, daran zu glauben!

 

Fünf Lektionen über die Industrie

1. Die Luftfahrtindustrie stärker als die Automobilindustrie

Die Ranglistenerste der Fabriken Frankreichs ist nicht mehr PSA in Sochaux, sondern Airbus in Toulouse. Mit nahezu 2.000 Beschäftigten übertrifft der Standort des Luftfahrtriesen den des Automobilherstellers. Natürlich bleibt die Automobilindustrie gewichtig: So kann mehr als die Hälfte der Standorte (genau 28t) unserer Top 50 diesem Sektor zugerechnet werden. Jedoch sind sie in raschem Rückgang begriffen: In einem Jahr haben bei allen die Personalzahlen abgenommen. Dagegen behauptet sich die Luftfahrt als fitter Sektor. Mit 12 Industriestandorten in der Platzierung zeigt die Branche ihre gute Verfassung mit nahezu überall steigenden Personalbeständen. Dieser Übergang ist nicht nur symbolisch. Er offenbart den sich im französischen industriellen Ökosystem vollziehenden Umbruch. Lange Zeit war das Automobil Leitbild der Industrie. Heute ist dies nicht mehr der Fall. Wie wir hier schon oft geschrieben haben, ist es nun die Luftfahrt, die sich als neuer Benchmark der Industrie etabliert hat.

 

2. Der wichtigste unterrepräsentierte Industriezweig Frankreichs

Die Lebensmittelindustrie – obwohl der wichtigste Industriezweig Frankreichs bei der Anzahl der Arbeitsplätze, ist in unserem Ranking nahezu nicht vertreten. Nur zwei Fabriken konnten sich auf Rang 26 (Roquette) und 29 (LDC) platzieren. Dies unterstreicht einmal mehr die Zersplitterung der Produktionsstätten für Nahrungsmittel: oftmals kleine, in ländlichen Gebieten verstreute Anlagen – nachteilig dafür, sich auf internationaler Ebene zu behaupten?

 

3. Der Norden noch immer dominierend

Ein kurzer Blick auf unsere Karte genügt, um sich dessen bewusst zu werden: Die Industrie ist eher eine Besonderheit des nördlichen Teils Frankreichs als des Südens. Zieht man eine imaginäre Linie von La Rochelle nach Oyonnax, so stellt man fest, dass nur 14 von den 50 Industriestandorten auf der Liste unterhalb dieser Grenzlinie angesiedelt sind. Für diese Verteilung gibt es offensichtlich historische Gründe (die französische industrielle Revolution nahm ihren Anfang im Osten und im Norden), aber auch wirtschaftliche – denn wie man bei Toyota zum Zeitpunkt seiner Niederlassung in Valenciennes von dessen Sitz im Département Nord aus gern zu sagen pflegte, bedient das Unternehmen ein Einzugsgebiet mit 200 Millionen Verbrauchern.

 

4. Der industrielle Rückgang ist Realität

Das ist DER neuralgische Punkt in unserem Ranking: Er zeigt sehr deutlich, dass die Personalzahlen bei 28 von 50 Werken ganz klar zurückgehen. In der Automobil- und Stahlindustrie, aber auch in der Rüstungsindustrie sind die Personalbestände in den Produktionsstätten geschrumpft. Dies bestätigt den langsamen Rückgang der Industrie in Frankreich: So macht dieser Sektor laut europäischen Statistiken nur noch 10,1% des BIP aus. Um ihn wieder anzukurbeln, bedarf es zweifellos einer Wiederbelebung.

 

5. Die Industrie umfasst mehr als ihre Fabriken

Wenn wir unser Ranking „die 50 wichtigsten Werke Frankreichs" nennen, so ist ein wenig irreführend. Setzt man sich genauer mit unserer Rangliste auseinander, so stellt man fest, dass die größten französischen Industriestandorte ebenfalls Zentren der F & E und der Ingenieurtechnik sind. Dies ist beim ersten von diesen der Fall, Airbus Toulouse, wo ein Großteil der 13.217 Mitarbeiter tatsächlich aus Ingenieuren besteht, die an der Entwicklung und Konstruktion zukünftiger Flugzeuge arbeiten, aber auch bei Renault in Guyancourt (ehemaliges „Technocentre“), das es auf den 4. Platz geschafft hat, oder bei PSA in Vélizy-Villacoublay, auf Platz 12. Die Platzierung dieser Standorte ist ein guter Beleg dafür, dass um heute ein Industrieunternehmen von Bedeutung zu sein, das Problem nicht nur in den Werken und den Montagestraßen liegt, sondern auch und vor allem in den Planungs- und Entwicklungszentren. Industrie, das sind nicht mehr nur Fabriken!


Von Pascal Gateaud | L'Usine Nouvelle